Welches Holz eignet sich für die Sauna?

Wer eine Sauna baut oder kauft, steht früher oder später vor einer Frage, die auf den ersten Blick simpel wirkt: Welches Holz soll es sein? Dahinter steckt mehr als Geschmackssache. Das Holz bestimmt, wie heiß sich die Bank anfühlt, wie lange die Konstruktion hält, ob Harz austritt und ob der Raum angenehm riecht. Wer hier schlechte Entscheidungen trifft, merkt das spätestens nach der ersten Schwitzeinheit.

Warum die Holzwahl so viel ausmacht

In einer finnischen Sauna bewegen sich Temperaturen zwischen 80 und 100 Grad Celsius, in einer Bio-Sauna zwischen 50 und 65 Grad. Dazu kommt Feuchtigkeit durch Aufgüsse. Nicht jedes Holz übersteht diese Kombination dauerhaft ohne Rissbildung, Verfärbung oder Harzaustritt. Außerdem leitet Holz Wärme unterschiedlich gut: Ein Material mit hoher Wärmeleitfähigkeit wird auf der Haut als unangenehm heiß empfunden, besonders auf den Bänken.

Hinzu kommen ästhetische Aspekte. Helles, gleichmäßig gemassertes Holz wirkt in einem kleinen Saunaraum freundlicher und größer als dunkle, stark gezeichnete Oberflächen. Wer also Planung betreibt, sollte alle drei Ebenen im Blick haben: Funktion, Haltbarkeit, Optik.

Die klassischen Holzarten im Überblick

Abachi

Abachi stammt aus Westafrika und ist das meistverwendete Saunaholz in Deutschland. Der Grund ist einfach: Es leitet Wärme extrem schlecht. Selbst bei 90 Grad Raumtemperatur bleibt eine Abachi-Sitzbank für die Haut angenehm kühl. Das Holz ist sehr weich, was Bearbeitung und Montage erleichtert, es enthält keine Harze und riecht neutral. Ein Nachteil ist die geringe Dichte von rund 390 kg/m³. Abachi ist damit mechanisch weniger belastbar als heimische Hölzer und reagiert empfindlich auf direkte Feuchtigkeitseinwirkung über längere Zeit.

Fichte und Kiefer

Fichte ist in Mitteleuropa das günstigste verfügbare Holz und wird aus diesem Grund gern für Saunakabinen verwendet. Das Problem: Beide Nadelhölzer enthalten Harz. Bei Hitze tritt dieses aus, klebt auf der Haut und hinterlässt gelbliche Flecken auf Bänken und Wänden. Für Rückenlehnen oder Wände kann Fichte funktionieren, für Sitzbänke ist sie keine gute Wahl. Kiefer fällt ähnlich aus, neigt aber noch stärker zum Harzen.

Espe und Thermo-Espe

Die heimische Espe gehört zu den harzfreien Laubhölzern und ist eine günstige Alternative zu Abachi. Sie ist hell, geruchsneutral und lässt sich gut verarbeiten. Thermo-Espe ist dasselbe Holz, das durch Hitzebehandlung bei 180 bis 230 Grad dauerhaft verändert wurde. Dieser Prozess entzieht dem Holz Feuchtigkeit und Zucker, was es deutlich resistenter gegen Schimmel und Feuchtigkeit macht. Die Farbe wird dabei deutlich dunkler, was manche als Vorteil, andere als störend empfinden. Thermisch behandelte Hölzer kosten in der Regel 20 bis 40 Prozent mehr als unbehandeltes Material.

Erle

Erle ist in der Sauna weniger verbreitet, aber eine solide Wahl. Sie ist harzig frei, hat eine leicht rötliche Färbung und ist dichter als Abachi. Erlenholz gilt als pflegeleicht und verändert seine Farbe bei Wärme und Feuchtigkeit weniger stark als manche anderen Hölzer. In einigen skandinavischen Ländern ist Erle traditionell das bevorzugte Saunaholz.

Exotische Hölzer und ihre Tauglichkeit

Wer sich intensiver mit dem Thema befasst, stößt schnell auf eine Vielzahl von Holzarten, die im Saunabereich angeboten werden. Ein strukturierter Sauna Holzarten Vergleich hilft dabei, die Eigenschaften verschiedener Optionen gegenüberzustellen, bevor man eine Entscheidung trifft.

Hemlock, eine nordamerikanische Schierlings-Tanne, wird seit einigen Jahren auch in Europa für Saunen angeboten. Sie ist harzzarm, hat ein feines Maserungsbild und liegt preislich unter Abachi. Einige Hersteller verwenden sie für die gesamte Kabinenkonstruktion. Cedar, also Zeder, ist in Nordamerika das Standardsaunaholz schlechthin. Sie enthält natürliche Öle, die gegen Schimmel und Fäulnis wirken, und riecht angenehm aromatisch. Für Menschen mit empfindlichen Atemwegen kann dieser Eigengeruch jedoch problematisch sein.

Welches Holz für welchen Bereich?

Eine Sauna besteht aus mehreren Bereichen, die unterschiedliche Anforderungen stellen. Eine pauschale Antwort auf die Frage nach dem richtigen Holz gibt es deshalb nicht. Die folgende Übersicht zeigt, welche Holzarten für welchen Bereich besonders geeignet sind:

Bereich Empfohlene Holzarten Weniger geeignet
Sitzbänke Abachi, Espe, Erle Kiefer, Fichte
Rückenlehnen Abachi, Thermo-Espe Kiefer, Fichte
Wandverkleidung Fichte (astfrei), Hemlock, Erle Harthölzer
Bodenrost Thermo-Espe, Hemlock Abachi (zu weich)
Türrahmen Abachi, Erle Kiefer

Qualität erkennen und Fehler vermeiden

Beim Kauf von Saunaholz lohnt es sich, auf die Astfreiheit zu achten. Äste sind Schwachstellen: Sie trocknen schneller als das umliegende Holz, reißen heraus und hinterlassen scharfe Kanten auf Sitzbänken. Hochwertiges Saunaholz ist durchgehend astfrei oder hat nur sehr kleine, feste Äste. Das gilt besonders für Bänke und Lehnen, also überall dort, wo Haut direkten Kontakt hat.

Die Holzfeuchte sollte bei angeliefertem Material zwischen 8 und 12 Prozent liegen. Zu trockenes Holz reißt beim ersten Aufheizen, zu feuchtes schimmelt. Seriöse Anbieter geben die Feuchte an oder messen vor der Lieferung nach.

Oberflächenbehandlungen wie Öle, Lacke oder Wachse sind für das Saunainnere grundsätzlich ungeeignet. Bei Hitze verdunsten diese Substanzen und werden eingeatmet. Das Holz bleibt unbehandelt und entwickelt mit der Zeit eine patinierte Oberfläche, die zur Sauna gehört.

Fazit: Funktion geht vor Optik

Abachi bleibt für Sitzbänke und Rückenlehnen die zuverlässigste Wahl, auch wenn es nicht das günstigste Material ist. Wer bei den Bänken spart und auf Fichte setzt, ärgert sich über austretende Harztropfen und klebrige Oberflächen. Für Wände und weniger beanspruchte Bereiche kann heimische Fichte dagegen funktionieren, wenn sie astfrei und harzarm ist. Thermo-Espe überzeugt überall dort, wo Feuchtigkeit dauerhaft eine Rolle spielt, also besonders im Bodenbereich. Die beste Sauna entsteht nicht aus einem einzigen Holz, sondern aus dem richtigen Holz am richtigen Ort.

Mehr zum Thema "Wohnen und Leben"