Stromkosten senken: So wechseln Sie den Anbieter
Wer seinen Strom noch immer beim örtlichen Grundversorger bezieht, zahlt in der Regel einen der teuersten Tarife auf dem Markt. Das ist kein Zufall: Die Grundversorgung ist als Auffangnetz gedacht, nicht als dauerhaft günstiges Angebot. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes lagen die Haushaltsstrompreise in Deutschland zuletzt deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Für einen Musterhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch können sich die Mehrkosten gegenüber einem Wechseltarif auf 200 bis 400 Euro pro Jahr summieren. Das ist Geld, das sich mit vertretbarem Aufwand sparen lässt.
Was die Grundversorgung eigentlich ist
Die Grundversorgung ist gesetzlich geregelt. Energieversorger mit dem größten Absatz in einem Netzgebiet sind verpflichtet, alle Haushalte dort zu beliefern, die keinen anderen Vertrag abgeschlossen haben. Das ist praktisch: Wer umzieht und sich zunächst nicht um Strom kümmert, hat automatisch Strom. Aber dieser Komfort hat einen Preis. Die Tarife der Grundversorgung müssen zwar veröffentlicht werden, unterliegen aber keinem Wettbewerbsdruck, weil Kunden schlicht nicht aktiv werden.
Die rechtliche Grundlage dafür findet sich in der Stromgrundversorgungsverordnung, kurz StromGVV. Sie regelt unter anderem, wie Grundversorger Preisänderungen ankündigen müssen und welche Kündigungsfristen gelten. Wer diese Regelungen kennt, kann gezielt handeln.
Wie groß der Unterschied wirklich ist
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht das Potenzial: Ein Zwei-Personen-Haushalt in einer mittelgroßen deutschen Stadt verbraucht etwa 2.500 kWh pro Jahr. In der Grundversorgung zahlt er dafür je nach Region zwischen 90 und 110 Cent pro Kilowattstunde in der Spitze, realistisch aber 35 bis 45 Cent inklusive Grundgebühr umgerechnet. Günstiger Ökostrom von einem alternativen Anbieter ist oft für 25 bis 32 Cent pro kWh zu haben. Bei 2.500 kWh macht das bis zu 250 Euro Unterschied jährlich.
Wer sich also ernsthaft mit dem Thema befasst und raus aus der Grundversorgung möchte, findet dafür mittlerweile viele praktische Wege und Vergleichsmöglichkeiten. Der Markt ist liberalisiert, der Wechsel ist kostenlos und dauert in der Regel nicht länger als zwei bis drei Wochen.
Schritt für Schritt zum neuen Tarif
Der Wechsel selbst ist weniger kompliziert als viele befürchten. Die meisten Anbieter übernehmen die Kündigung beim alten Versorger, sobald der neue Vertrag abgeschlossen ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, kündigt selbst mit einer kurzen schriftlichen Mitteilung. Die Kündigungsfrist in der Grundversorgung beträgt laut StromGVV zwei Wochen. Bei anderen Tarifen steht die Frist im Vertrag, üblicherweise vier bis sechs Wochen zum Ablauf der Vertragslaufzeit.
- Jahresverbrauch ermitteln: Die letzte Jahresabrechnung zeigt die verbrauchten Kilowattstunden. Wer keine Abrechnung hat, kann sich an Durchschnittswerten orientieren: Einpersonenhaushalt etwa 1.500 kWh, VierPersonenhaushalt etwa 4.000 kWh.
- Postleitzahl bereithalten: Tarife sind netzgebietsabhängig. Ohne PLZ liefern Vergleiche keine verlässlichen Ergebnisse.
- Laufzeit prüfen: Viele günstige Tarife laufen zwölf Monate und verlängern sich danach automatisch. Wer das nicht beachtet, sitzt wieder in einem Tarif fest, der teurer geworden ist.
- Neukundenbonus einrechnen, aber nicht übergewichten: Ein einmaliger Bonus von 100 Euro hilft, sollte aber nicht dazu verleiten, einen grundsätzlich ungünstigen Tarif zu wählen.
- Preisgarantie achten: Tarife mit Preisgarantie für mindestens zwölf Monate bieten Planungssicherheit, gerade in einem volatilen Markt.
Was beim neuen Vertrag im Kleingedruckten steht
Nicht jeder günstige Tarif ist auf den zweiten Blick noch günstig. Es gibt Anbieter, die einen niedrigen Arbeitspreis mit einer hohen monatlichen Grundgebühr kombinieren. Bei niedrigem Verbrauch kann das unterm Strich teurer werden als ein Tarif mit moderater Grundgebühr und etwas höherem Arbeitspreis. Eine einfache Beispielrechnung hilft: Grundgebühr mal zwölf, plus Arbeitspreis mal Jahresverbrauch. Das ergibt die Gesamtjahreskosten, und nur diese Zahl zählt.
Wichtig ist außerdem die Frage nach der Sicherheitsleistung. Manche Anbieter verlangen zu Vertragsbeginn eine Kaution, oft in Höhe von zwei Monatsbeiträgen. Das ist legal, aber bei seriösen Anbietern selten. Wer Zweifel an der Seriosität hat, kann beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur prüfen, ob der Anbieter als Lieferant registriert ist.
Ökostrom oder Standardstrom?
Die Entscheidung zwischen Ökostrom und konventionellem Strom ist nicht nur eine Frage der Überzeugung, sondern auch der Qualität des Anbieters. Echter Ökostrom ist nach dem europäischen Herkunftsnachweissystem zertifiziert, das heißt, die erzeugte Menge an erneuerbarer Energie wird nachgewiesen in das Netz eingespeist. Greenwashing gibt es trotzdem: Einige Tarife tragen das Label „Ökostrom“, kaufen aber lediglich günstige Herkunftsnachweise aus Skandinavien, ohne wirklich neue erneuerbare Kapazitäten zu fördern.
Wer sichergehen will, achtet auf das Grüner-Strom-Label oder das Ok-Power-Label, die strengere Anforderungen stellen als der gesetzliche Mindeststandard. Der Preisunterschied zu konventionellem Strom ist heute oft gering und liegt bei einem Normalhaushalt meist unter 50 Euro im Jahr.
Wann der Wechsel besonders lohnt
Der beste Zeitpunkt für einen Wechsel ist immer dann, wenn der aktuelle Anbieter eine Preiserhöhung ankündigt. In diesem Fall darf der Vertrag außerordentlich gekündigt werden, in der Regel mit einer Frist von zwei Wochen ab Bekanntgabe der Erhöhung. Auch nach einem Umzug lohnt sich ein kritischer Blick: Wer automatisch in die Grundversorgung am neuen Wohnort gerutscht ist, sollte nicht länger als nötig dort bleiben.
Ein weiterer guter Zeitpunkt ist das Ende der Vertragslaufzeit beim aktuellen Wechseltarif. Viele Anbieter erhöhen den Preis nach Ablauf der Preisgarantie still und leise. Wer keine Preisalerts eingerichtet hat, bemerkt das oft erst mit der nächsten Jahresabrechnung. Ein kurzes jährliches Prüfen der eigenen Stromkosten ist eine der wenigen Finanzentscheidungen, die sich mit weniger als einer Stunde Aufwand in bares Geld verwandeln lässt.
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